Kräuterrasen anlegen – eine Kurzanleitung

Kräuterrasen wozu?

Ich würde nicht behaupten, ein Rasen im Garten macht gar keinen Sinn. Auf einem Stück Rasen können wir mit unseren Kindern Federball spielen. Wir können unsere Wäsche darüber auf die Leine zum Trocknen hängen. Wir können darauf unsere Gartenliege aufstellen und in den Himmel schauen. Wir können darauf zwischen unseren Beeten und Bäumen hin- und herlaufen. Bestimmt gibt es noch andere sinnvolle Möglichkeiten, einen Rasen zu nutzen.
Aber ich behaupte, dass es keinen sinnvollen Grund gibt, dass der Rasen nur grün sein muss. Dass sich darin weder Moose noch Gänseblümchen oder Löwenzahn einmischen dürfen. Ich behaupte sogar, ein Rasen macht nur Sinn, WENN darin Gänseblümchen, Löwenzahn, Thymian, Ehrenpreis, Günsel, Spitzwegerich, Habichtskraut, Hornklee und andere bunte Pflänzchen vertreten sind.
Nicht nur Gräser, sondern auch verschiedene Wildkräuter sind sehr gut schnittverträglich und wachsen unbekümmert auch in einem (relativ) häufig gemähten Rasen. Sobald wir aufhören, den Rasen jede Woche – oder lassen wir es alle zwei Wochen sein – auf eine Höhe von 3-4 cm zu mähen, beginnen sich die kleinen robusten Kräuter darin zu etablieren.

Diese Kräuter bieten Bienen, Faltern, Schwebfliegen, Käfern und damit auch Vögeln Nahrung. Der Boden wird durch sie auch vielschichtiger durchwurzelt, es entwickeln sich Symbiosen mit Bodenpilzen, die Regenwurm- und Mikroorganismenaktivität nimmt zu, das tiefer belebte Bodengefüge verbessert Versickerungsfähigkeit und Wasserspeichervermögen. Der höhere und artenreichere Bewuchs trägt im Sommer durch die Verdunstung zur Kühlung der Umgebung bei.

Entwicklung durch angepasste Pflege vor Neuanlage

Die Neuanlage eines Blumenrasens ist natürlich notwendig, wenn die Fläche vorher versiegelt war. Ist jedoch schon eine Rasenfläche vorhanden, würde bei einer Neuanlage wertvolles Potential an geeigneten Pflanzen verloren gehen, und das Bodenleben unnötig und nachhaltig zerstört werden. Aus einer bestehenden Rasenfläche sollte daher ein Blumen- oder Kräuterrasen durch eine veränderte, an die Ansprüche der Kräuter angepasste Pflege entwickelt werden: die Mahdhäufigkeit wird auf maximal 6 mal jährlich verringert und die Schnitttiefe wird auf mindestens 5 cm erhöht. 

Sollen offene Stellen in einer bestehenden Blumenrasenfläche angesät werden, oder ein noch vorhandener lückiger und artenarmer Bewuchs mit zusätzlichen Arten angereichert werden, kann mit 1 g Saatgut pro m² einer reinen Kräutermischung (für den jeweiligen Standort geeignet, ohne Gräser, einjährige oder gebietsfremde Arten) gesät werden.

Neuanlage eines Blumen- oder Kräuterrasens

Die ideale Ansaatzeit ist ab Mitte April (bis spätestens Anfang Juni). Spätestens 4 Wochen vor der Ansaat muss das Saatbett vorbereitet werden:

– zuerst scharf (tief) abmähen, Mähgut entfernen
– soll der Kräuterrasen auch als Spielwiese, z.B. Fußballwiese genutzt werden, können Unebenheiten ausgeglichen und Buckel glattgezogen werden. Ansonsten darf ein Relief erhalten bleiben – denn das steigert die Standortvielfalt
– der Untergrund sollte möglichst wenig verdichtet werden. Die Arbeiten müssen deshalb bei möglichst trockenem Boden und am besten von Innen nach Außen durchgeführt werden.
– am Tag der Ansaat wird nochmal mit dem Rechen flach gelockert. Die Ansaat kommt dann obenauf und wird nur noch angewalzt.

Im ersten Jahr muss die Fläche immer abgemäht werden, wenn der Aufwuchs ca. 20-30 cm hoch ist (Schnitthöhe 7-8 cm). Das Mähgut wird gleich entfernt und kann getrocknet als Mulch im Gemüsebeet verwendet werden.

Blumenrasen – Blumenwiese?

Der Blumenrasen unterscheidet sich von der Blumenwiese dadurch, dass er mehr als 3 mal im Jahr gemäht wird und gut trittverträglich ist. Doch sind die Übergänge oft fließend, und können gezielt durch entsprechende Pflege ausgebaut werden. So entwickelt sich ein häufiger gemähter Pfad durch eine Blumenwiese in Richtung Blumenrasen. Schnitt- und trittempfindliche Blumenwiesen-Arten wie Wiesen-Witwenblumen, Bibernelle, Wiesen-Glockenblume oder Heil-Ziest werden hier verschwinden. Solche Übergänge sind harmonische Gestaltungselemente im Garten und zudem wertvoll für die Artenvielfalt, denn sie bieten besondere Bedingungen für Tiere und Pflanzen im Garten.

Blumenwiese