Igel brauchen Naturgärten

Zurzeit kann man ihnen wieder im Garten begegnen oder zumindest ihr Rascheln oder Schmatzen in der Hecke wahrnehmen. Die Igel sind zweifellos Sympatieträger und einer der gut sichtbaren Indikatoren für Naturnähe und Strukturreichtum. Der Naturgarten wird im besten Fall nicht nur von futtersuchenden Igeln besucht, sondern auch dauerhaft von Igeln bewohnt, die hier überwintern und Junge aufziehen können.

In diesem Jahr hat der Frühling lange auf sich warten lassen. Pünktlich zum Frühlingsanfang wurde der Garten nochmal in eine zauberhafte Winterlandschaft verwandelt. Erst im Mai lagen die Temperaturen dauerhaft bei etwa 10 °C und für die Igel konnte damit der Winterschlaf zuende gehen. Jetzt sind sie manchmal auch tagsüber im Garten unterwegs, da erstmal nur die Futtersuche wichtig ist, um das im Winterschlaf verlorene Körpergewicht wieder aufzubauen.

Auch im naturnahen Garten kann man den Igeln jetzt zusätzliches Futter anbieten. Trotz all unserer Bemühungen gibt es v.a bei widrigen Witterungsverhältnissen und aufgrund fehlender Lebensraumstrukturen im Umkreis oft nicht genug Würmer und Insekten. Und Schnecken stehen nicht ganz oben auf der Liste seiner Lieblingsspeisen. Geeignet fürs Zufüttern ist spezielles Igelfutter aus dem Fachhandel und Katzenfutter. Dazu ist immer ein Schälchen mit Wasser bereitzustellen. Milch und Milchprodukte darf der Igel auf keinen Fall bekommen!

Sobald die Igel sich nach dem Aufwachen im Frühjahr wieder gestärkt haben, beginnt die Paarungszeit. Ab Juli, meist im August kommt der Nachwuchs zur Welt. Ein insektenreicher, giftfreier Garten, mit wilden Ecken und flachen(!) Wasserstellen oder Tränken ist ein idealer Lebensraum für die Igelmutter und ihre Jungen (etwa fünf an der Zahl).

Im Laufe des Sommers müssen die Jungigel genug futtern um den kommenden Winter zu überstehen. Aber nicht nur das Gewicht des Igels spielt bei der Überwinterung eine große Rolle. Junge Igel müssen auch einen geeigneten Platz für den Bau des Winternests finden.
Igel brauchen strukturreiche Gärten und nehmen Holzstapel, aus Ästen und Laub angelegte Schlaf-, Fütter- und Überwinternungsquartiere und gebaute Igelbehausungen gerne an. Eine Igelburg lässt sich gut mit Kindern bauen und beobachten. Sie soll an einer wettergeschützten Stelle liegen und locker mit trockenem Laub gefüllt sein.
Solange im Spätherbst die Temperaturen über etwa 6 – 12 °C liegen, gehen Igel abends noch auf Futtersuche und können in ein Quartier einziehen, wenn sie Zugang zum Garten haben.

Igel auf nächtlicher Futtersuche

Leider gibt es diese vielfältigen, naturnahen Lebensräume im Siedlungsbereich immer weniger. Nicht nur in Städten, sondern auch im ländlichen Raum kommen „saubere“ Gärten und Einfriedungen mit hohen Sockeln und ohne Durchschlupfmöglichkeiten immer mehr in „Mode“. Diese sind nicht nur gestalterisch und ästhetisch ein Graus – und werden leider nur vereinzelt durch kommunale Ortsgestaltungssatzungen unterbunden – sondern auch für Igel und andere Tiere problematisch, die auf ihrer Nahrungssuche in großen Revieren unterwegs sind. Die fehlenden Wander-, Unterschlupf- und Fluchtmöglichkeiten führen zur Schwächung der Tiere und nicht zuletzt durch den Straßenverkehr zu einem starken Rückgang der Igelpopulationen in urbanen Siedlungen und „urbanisierten“ Dörfern.

Viele Gartenbesitzer setzen neben Ordnung auch auf Technisierung und verhindern damit nicht nur eine Ansiedlung von Igeln, sondern schädigen sie in z.T. grausamer Weise. Igel suchen sich Tagnester unter Sträuchern oder in Gras- oder Laubhaufen und sind diversen Mähgeräten, die auch an diese versteckten Stellen kommen, ausgeliefert. Durch Mähroboter oder Motorsensen verletzte Igel sind in Igelstationen, Tierheimen und Tierarztpraxen keine Seltenheit mehr.

Umso wichtiger sind naturnahe Gärten, als Vorbilder und Beispiele zum Nachahmen. Sie sind Werbung für naturnahes Gärtnern – denn auch nachhaltige Gartenkultur kann ansteckend sein.

Igelstationen in der Nähe findet man im Internet. Unsere nächstgelegene Igelstation bietet umfangreiche Infos und Hilfestellungen zum Schutz unserer stachligen Gartenbewohner.