Wildblumensäume anlegen und pflegen

In der Natur schmiegen sich Säume entlang von Gehölzen, Waldrändern, Feldern, Wegen oder Gewässern zwischen meist genutzte oder gepflegte Flächen. Sie säumen diese Flächen ein als sanfte Übergänge zwischen verschiedenen Flächengestalten und sie verbinden diese nicht nur optisch sondern auch ökologisch.

Fehlt ein Saum zwischen Wald und Wiese, zwischen Haus und Rasen, zwischen Weg und Acker, fehlt etwas. Gestalterisch sorgen Säume dafür, dass weiche Kanten entstehen, unterschiedlich hohe Strukturen stufenweise ineinander übergehen. Ökologisch sind Säume die artenreichsten Strukturen, da sie Pflanzen- und Tierarten aus beiden Nachbarstrukturen vereinen und als lineare Verbreitungs- und Wanderkorridore verschiedene Lebensräume verbinden können.

In der Landschaft finden sich nur kaum noch natürliche Saumgesellschaften, denn Nutzungsdruck und „Überpflegung“ finden gerade an diesen (Grundstücks-)Grenzen statt.

Doch Säume lassen sich im Garten und im öffentlichen Grün als gestalterische Elemente und als sturktur- und artenreiche, bunte Bänder anlegen. Gerade dort, wo zu wenig Platz für Gehölze oder Blumenwiesen ist bieten Saumgesellschaften nach dem Vorbild der Natur tolle Gestaltungsmöglichkeiten bei geringem Pflegeaufwand und hohem Wert für Insekten und Vögel.

Wildblumensaum anlegen – so geht´s:

Lage, Lage, Lage! Der Standort

Die Anlage eines Saums ist nur erfolgversprechend, wenn zu aller Erst auf den Standort geschaut wird.
Wie ist der Boden? Trocken, frisch oder feucht? Mager oder nährstoffreich? Steinig, lehmig oder sandig?
Wie ist die Exposition? Sonnig, halbschattig oder schattig? Unter sommergrünen oder immergrünen Gehölzen?
Welche benachbarten Strukturen sind vorhanden?
Ein Weg? Dann sollte der Saum nicht zu hoch werden, um nicht mit der Zeit in den Weg zu ragen.
Ein Sitzplatz? Dann sollten viele duftende Pflanzen dabei sein.
Ein Selbstversorgergarten? Dann passt ein Wildgemüsesaum mit vielen essbaren Kräutern und Blüten perfekt.

Bodenvorbereitung

Das „umundauf“ ist eine gute Vorbereitung der ausgewählten Fläche. Sie sollte vor der Ansaat – und zwar am besten einige Wochen vorher – von Aufwuchs vollständig befreit werden. Auf keinen Fall sollten auf der Fläche Wurzelunkräuter, wie Winde oder Quecke, und auch keine Wurzelstücke dieser Pflanzen verbleiben. Sollte das der Fall sein, kann ein Bodenaustausch notwendig sein, um nicht einen extrem hohen Pflegebedarf zu produzieren.

Die Fläche wird abgerecht, darf aber ruhig auch Mulden und Buckel behalten. Das bringt ein Mehr an Standortvielfalt.
Nun sollte mindestens 4 Wochen gewartet werden, um zu sehen, ob Samen von Pflanzen wie Gänsefuß oder Ackersenf keimen. Diese können leicht durch nochmaliges Rechen oder Bearbeiten mit der Pendelhacke bei trockenem Wetter entfernen.

Das Saatgut

Von besonders bunt daher kommenden Samentüten aus dem Baumarkt oder Gartencenter sollte man im Naturgarten die Finger lassen. Sie bieten mit einem hohen Anteil einjähriger Arten und Kultur- oder Zierpflanzen nur kurze Freude. Nachhaltig und immer schöner werdend sind nur hochwertige Mischungen aus heimischen Wildpflanzen und naturnahen Auslesen. Diese sind bei spezialisierten Wildpflanzen- und Naturgartenbetrieben zu bekommen.

Die Auswahl der geeigneten Saatgutmischung muss auf den Standort (siehe oben) zugeschnitten sein. Es gibt verschiedenste Mischungen von Wildpflanzen, die an natürlichen Saumgesellschaften orientiert sind. Aber natürlich lassen sich auch selbst geeignete Mischungen nach dem Vorbild der Natur zusammenstellen.

Die Ansaat

Die beste Zeit zum Ansäen ist an einem trockenen Tag, am besten vor einer prognostizierten Regenphase, zwischen Februar und Mai, und zwischen September und November, da dann mit genug Feuchtigkeit zu rechnen ist. Gerade bei den Säumen habe ich mit Herbstsaaten sehr gute Erfahrungen gemacht. Einige Mischungen enthalten einen Anteil an Frostkeimern und sollten am besten eh im Herbst gesät werden. Daher ist es wichtig, sich an die Angaben des Saatgutproduzenten zu halten.

Direkt vor der Ansaat wird die Fläche nochmal mit dem Rechen aufgelockert. So entsteht eine feinkrümelige Struktur, in der die Samen einen guten Halt und Nährboden finden.

Für die Ansaat von Säumen werden meist nur wenige Gramm Samen benötigt – halte dich hier unbedingt an die Angaben des Samenproduzenten. Denn zu dicht gesäte Pflanzen können sich nicht richtig entwickeln. Die errechnete Menge Saatgut wird mit Sand oder Sägemehl auf ca. das 10fache gestreckt und dann in zwei Hälften geteilt. Die halbe Menge wird quer und die andere Hälfte längs über die Fläche verteilt. So ist gewährleistet, dass schön gleichmäßig angesät wird.

Anschließend wird die Fläche gewalzt oder bei kleinen Flächen mit dem Schaufelrücken festgedrückt.

Wärmliebender Saum im Frühjahr nach der Herbstansaatund hier hat sich noch Feldsalat reingeschmuggelt

Pflege muss sein

Die Keimung der meisten Pflanzen geschieht in den ersten 6 bis 8 Wochen nach der Ansaat. In dieser Zeit sollte bei trockenem Wetter beregnet werden. Im ersten Jahr muss unerwünschter Aufwuch kontrolliert werden. Dazu kann nach ca. 2-3 Monaten ein Schröpfschnitt mit einer Schnitthöhe von mindestens 6-8 cm nötig sein. Einzelne „Unkräuter“ können auch herausgezupft werden. Um die erwünschten Pflänzchen dabei nicht zu schädigen, sollte sich dafür die Fläche aber schon gut entwickelt haben.

Säume sollten am besten nur maximal einmal jährlich, am besten im späten Frühjahr gemäht werden, damit sie ihre Funktion als Lebens- und Reproduktionsstätten für Insekten erfüllen können. Wo möglich, kann man mit einer zeitlich und räumlich gestaffelten Mahd im jährlichen Wechsel pflegen.

Tipps und Bezugsquellen gibt es bei der NaturgartenplanerIn vor Ort und bei NaturGartenLand