Blumenwiese – echt nachhaltig

Blumenwiesen sind nachhaltig schön und wertvolle Beiträge zum Erhalt der Artenvielfalt. Vor einer Neuanlage müssen einige Dinge überlegt und vorbereitet werden, damit die Arbeit auch erfolgreich ist. Denn eine Frage taucht bei Gartenberatungen besonders oft auf: „Warum ist meine Blumenwiese, die ich letztes Jahr neu angelegt habe, jetzt nur noch grün? Die war doch erst so schön bunt!“

Meistens stellen sich recht schnell die Gründe für das Vergrünen heraus. Und die sind eigentlich recht leicht zu vermeiden, wenn man schon vor der Neuanlage einer bunten Wiese ein paar Dinge beachtet.

1. Was ist das Ziel?
Die Neuanlage einer Blumenwiese ist keine spontane Angelegenheit. Nimm dir die Zeit, um dir darüber klar zu werden, was du haben möchtest. Stimmt der Wunsch nach einer artenreichen Blumenwiese mit den Nutzungs- und Pflegeansprüchen für den Garten überein? Eine Blumenwiese erreicht eine Wuchshöhe von 80 cm und mehr, und kann deshalb nicht mehr mit dem Rasenmäher gepflegt werden. Sie ist bunter als ein Rasen aber nicht so knallbunt, wie ein Staudenbeet. Und sie hat noch ein paar besonders tolle Eigenschaften:

Die standortgerechte Blumenwiese wird von Jahr zu Jahr schöner,

sie ist nachhaltig und erhält sich bei richtiger Pflege über Jahrzehnte, und

sie ist ein wunderbarer Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt – gerade aufgrund ihrer Vielfalt und Dauerhaftigkeit.

2. Das richtige Saatgut
Hier passieren die häufigsten Fehler bei der Anlage einer Blumenwiese. Die Herkunft und Zusammensetzung der Saatgutmischung ist für die nachhaltige Freude an der bunten Vielfalt elementar. Dabei ist es wirklich schwierig, das richtige Saatgut zu finden. Denn sucht man im Handel nach Samenmischungen für eine Blumenwiese, finden sich mit Bezeichnungen wie „Sommer-Blumenwiese“ oder „Bienenwiese“ unzählige Angebote, die mit einer nachhaltigen, echten Blumenwiese wenig zu tun haben. Denn nur ein Bruchteil der Samenmischungen besteht aus heimischen (also an unsere Witterungsverhältnisse angepasste), ausdauernden (also jedes Jahr wieder blühenden) Pflanzenarten.

Sind auf der Packung bunte einjährige Blumen wie Ringelblume, Sonnenblume, Phacelia oder Cosmea sieht das zwar auf den ersten Blick toll aus, und biete auch Nektar, v.a. für Honigbienen. Aber nachhaltig – v.a. im Sinne von dauerhaft – sind solche Ansaaten nicht.
Am besten beziehst du dein Saatgut über eine auf heimische Wildpflanzen spezialisierte Gärtnerei. Dort gibt es die auf den jeweiligen Standort zugeschnittenen Mischungen inklusive Beratung, welche Mischung geeignet ist.

3. Fachgerechte Saatbettvorbereitung und Ansaat
Eine Blumenwiese kann nicht spontan an einem Tag angelegt werden. Damit die Ansaat klappt und sich möglichst alle Arten gut entwickeln können, braucht es eine fachgerechte Vorbereitung und den genauen Blick auf den Standort. Die wesentlichen Punkte habe ich bei der Anleitung zur Anlage eines Kräuterrasens beschrieben.
Ist die Entscheidung für eine Neuanlage betroffen, empfehle ich die Anlage nach der Burri-Methode. Ein wesentlicher Aspekt ist neben der richtigen Saatbettvorbereitung der Zeitpunkt für die Ansaat zwischen April und Anfang Juni (besser noch Ende Mai, da es aufgrund der Klimaerwärmung im Juni meist schon zu trocken). Johannes Burri beschreibt diese Methode ausführlich und anschaulich auf seiner Internetseite http://www.wildblumenburri.ch

4. Die Pflege im ersten Jahr
Hier werden können auch nach optimaler Anlage der neuen Blumenwiese noch Fehler gemacht werden. Dabei ist die Entwicklung der Blumenwiese in diesem ersten Jahr essenziell. Wird zu häufig und/oder zu tief (Schnitthöhe unter 8-10 cm) gemäht, können sich die vielen Blütenpflanzen nicht entwickeln und kommen nicht zur Blüte. Die erste Blüte findet nämlich bei (fast) allen Arten erst im zweiten Jahr statt. Um diese Phase zu überbrücken werden in viele Mischungen sogenannte Akzeptanzarten wie Mohn und Kornblume gemischt, die sehr schnell ein buntes, aber recht kurzlebiges Bild ergeben.

Wird im ersten Jahr zu wenig oder gar nicht gemäht, können konkurrenzstarke Beikräuter oder Kulturgräser, die noch im Saatbett vorhanden waren, die zarte Saat überwuchern und ihr Licht und Wasser nehmen.
Deshalb braucht es im ersten Jahr nach der Ansaat die sogenannten Schröpfschnitte, die immer dann durchgeführt werden, wenn die Wuchshöhe etwa 30-40 cm beträgt. Die Schnitthöhe muss dabei etwa 10 cm betragen, und das Mähgut muss direkt von der Fläche gerecht werden.

Salbei-Glatthafer-Wiese, artenreich, nachhaltig und dauerhaft schön

5. Die richtige Blumenwiesenmahd
Selbst wenn das erste Jahr der Blumenwiese optimal verlaufen ist, birgt die dauerhafte Pflege noch einige Möglichkeiten den erreichten Erfolg zu nichte zu machen. Leider werden wunderbare Blumenwiesen (übrigens auch schon vorhandene, und nicht nur frisch angelegte) durch falsche Mahd zu artenarmen Einheitswiesen degradiert.
Aber auf was ist zu achten, damit das nicht geschieht?

  • der richtige Mahdtermin
    „normale“ Blumenwiesen brauchen zwei Schnitte im Jahr, wobei der erste Schnitt – je nach Standort und Witterung – etwa Anfang bis Mitte Juni stattfindet. Der Schnittzeitpunkt darf von Jahr zu Jahr um 1-2 Wochen variieren. Im besten Falle wird die Wiese in zwei Durchgängen im Abstand von ca. zwei Wochen durchgeführt. Der letzte Schnitt findet im September statt. Auf jeden Fall soll die Wiese gemäht in den Spätherbst/Winter gehen. Eine Fettwiese auf nährstoffreichem Standort, zeigt durch sehr starken Aufwuchs, dass ggf. noch ein dritter Schnitt im Hochsommer nötig ist.
  • Schnitthöhe
    die Wiese darf nicht zu tief, das heißt nicht unter 7-8 cm Schnitthöhe gemäht werden, da dies von den vielen Blumenarten nicht vertragen wird, und sich die Artenzusammensetzung in Richtung der Gräser verschiebt. Mit dem Rasenmäher wird man eine Blumenwiese nicht pflegen können. Das ideale Mähgerät ist die Sense, die laute Alternative ist der Balkenmäher.
  • Heumahd
    Die Blütenpflanzenvielfalt erhält sich u.a. durch den Verbleib von möglichst vielen Blumensamen auf der Wiesenfläche. Und das erreichst du mit der Heumahd. Gemäht wird, wenn mehrere Schönwettertage angesagt sind. Dann verbleibt das Mähgut auf der Fläche, wird in den nächsten Tagen mehrmals gewendet, nach 2-3 Tagen abgeführt und im Idealfall verfüttert.