Naturnaher Schulgarten

Einen kleinen Einblick in den Naturgartenbau soll dieser Beitrag über eine aktuelle Baustelle in einem Schulgarten bieten. Der vor etwa 15 Jahren angelegte Schulgarten wird nachhaltig, mit vielen vorhandenen Materialien und Recyclingbaustoffen, mit naturnahen Bauweisen und einer großen Struktur- und Artenvielfalt zu einem Naturerlebnisgarten weiterentwickelt.

Sonnenblumen gibt es viele im Schulgarten, und Bienen finden hier genauso viel Futter wie wir

Der Schulgarten ist schon von Beginn an ein Kleinod und Lebensraum für viele Insekten, Vögel und die Menschen, die in ihm arbeiten oder einfach zum Verweilen vorbeikommen. Er wurde mit viel Liebe, Sachverstand und Initiative vom Gartenbaulehrer und helfenden Lehrern, Schülern und Eltern gestaltet und gepflegt. Die Grundstruktur bildet eine große Kräuterspirale in der Mitte des Gartens, von der die Wege, wie Sonnenstrahlen nach außen führen. So entstanden zehn je etwa 40-50 m² große Felder, die von den Schülern mit ihrem Gartenbaulehrer bewirtschaftet werden.

In den Randzonen befinden sich Kompostplätze, Hochbeete, Hecken mit Beerensträuchern, ein lauschiger Ruheplatz, in dem die Feen und Zwerge des Gartens zuhause zu sein scheinen, ein Gewächshaus und Geräteschuppen.

Der Auftrag
Die Wege – die „Sonnenstrahlen“ und die Rundwege innen und außen – sind über die Jahre immer mehr zugewachsen und mittlerweilen schwer zu begehen. Einen durchgehenden Rundweg, über den man die einzelnen Beete auch von außen bearbeiten kann fehlt noch. Eine freie, bisher ungenutzte Fläche soll als Klassenzimmer im Freien und Feuerplatz gestaltet werden. Und der Garten soll für seine Besucher zu allen Jahreszeiten durchwandelbar und attraktiv sein.

Konzeptentwurf auf der Baustelle – mit dem Baufortschritt immer weiterentwickelt

Das Konzept
Mit den finanziellen Mitteln soll sparsam umgegangen werden, aber auch im Sinne der Nachhaltigkeit soll bei der Gestaltung möglichst Ressourcen schonend, mit vor Ort vorhandenen Materialien und Recyclingmaterial gearbeitet werden.
Aus diesem Grund wurde die ursprünglich gewünschte Anlage von ausschließlich wassergebundenen Wegen so weit wie möglich reduziert. Die meisten Wege bleiben Graswege und insgesamt sechs von zehn Strahlenwegen werden als wassergebundene Wege angelegt. Warum? Zur Herstellung der wassergebundenen Decken muss der humusreiche Boden ausgehoben und abtransportiert werden. Die Trag- und Deckschicht, selbst wenn sie minimalistisch gebaut wird, ist gut 15 cm hoch einzubauen. Dafür muss Kies und Mineralgemisch (beide auch eine endliche Ressource) herangeschafft und unter Maschinenaufwand eingebaut werden. Die Arbeitszeit, die dafür erforderlich ist, ist eine weitere Ressource mit der sparsam umzugehen ist.
Mehr zu naturnaher und nachhaltiger Garten- und Landschaftsplanung von NaturGartenLand gibt es hier…

Die Umsetzung
Dafür konnten drei Gartenbauer gewonnen werden, die auf naturnahes, nachhaltiges Arbeiten spezialisiert sind.
Im ersten Schritt stellte Martin Solleder von der Wildniswerkstatt Chiemgau die Wege – die Sonnenstrahlen und den äußeren Rundweg – her. Sechs der zehn Strahlenwege wurden als wassergebundene Wege hergestellt. Dazu musste zunächst der Boden ausgebaggert werden, um eine Tragschicht aus mindestens 10 cm Wandkies und darauf eine Deckschicht von ca. 5 cm Mineralgemisch einzubauen. Nachdem die Wege abgerüttelt wurden, baute Martin die Einfassungen aus vor Ort vorhandenen Holzbrettern ein. Der ausgebaggerte, sehr humusreiche Boden bleibt auf dem Gelände, nämlich am Rande des Getreideackers, der von den Schülern bewirschaftet wird, und wird dort nach der Ernte verteilt.

Im zweiten Schritt wurden von Naturgarten-Profi Malachy Moynihan von Bloom Naturgarten unterstützt von Hans Richner von Garten Richner die Beeteinfassungen aus Naturstein gebaut. Im Inneren Kreis wurden dafür Nagelfluh-Bruchsteine aus dem Inntal verwendet. Die äußeren Einfassungen stellte er mit Recycling-Kalksteinen her. Die Steine wären sonst im Schredder gelandet und zu Schotter verarbeitet worden… Jetzt zieren sie den Schulgarten, dienen als Unterschlupf für Eidechse, Hummel und Co. und die Schüler werden sie sicher bald als Sitzstufen nutzen.